Radsport-Super-Talent Ole Quast

“Bei der Tour de France habe ich abgeschaltet“

Ole_Quast.jpg

Ole Quast

Ole wusste, dass das Thema kommt. Weil es kommen musste. Ole ist Radsportler. Und an diesem Nachmittag ein wenig nervös. Er klackert mit dem Kugelschreiber. Er ist noch kein Medienprofi. Ole ist erst 18. Eine Stunde dauert das Gespräch nun schon. Es ging um seine Erfolge, das Training, die Schule. Jetzt geht es um Doping.

Der Kugelschreiber klackert. Nicht schneller als vorher. Das Thema wirft Ole Quast nicht aus der Bahn. “Ich mach meinen Sport weiter, weil ich Bock drauf habe“, sagt er. Seit zwölf Jahren schon. Ein Straßenrennen direkt vor der Haustür hatte sein Interesse geweckt. “Es war Jan Ullrichs letztes Rennen als Amateur“, erzählt Ole. Sein Gesicht zeigt keine Regung. Ole war nie ein “Ulle“-Fan. “Ich habe kein Idol“, sagt der schmächtige Junge. “Was bringt mir das, wenn in zwei Jahren rauskommt, dass der gedopt war.“

Das Vertrauen in die Top-Stars ist weg. Auch bei ihm. “Jeder, der ein
bisschen Ahnung hat, weiß, dass das nicht möglich ist, was Contador und
Rasmussen bei der Tour de France gemacht haben“, sagt er. “Irgendwann habe ich abgeschaltet.“

Ole braucht keine Vorbilder. Er konzentriert sich auf sich selbst. Bis zu 15 Stunden trainiert er in der Woche. “Ich bin auch bei Wind und Wetter auf irgendwelchen Pferdewegen unterwegs.“ Dem Sport alles unterzuordnen kommt für Ole aber nicht in Frage. “Logisch, dass man in meinem Alter auch mal auf den Kiez geht“, lächelt der Zwölftklässler. Am wichtigsten aber sei die Schule. “Im nächsten Jahr steht das Abi an. Da steht das erst mal im Mittelpunkt.“

Er hätte sich anders entscheiden können. Vor einem Jahr feierte Ole seinen sportlichen Durchbruch. Bei den Junioren gehört der Hamburger schnell zur Weltspitze im Cross-Radsport, dem Fahren im Gelände. Die Deutsche Meisterschaft ist Formsache, bei der WM schrammt er als Fünfter nur haarscharf an einer Medaille vorbei. Und auch auf der Straße stellen sich die Erfolge ein. Ole gewinnt das Bergtrikot bei der Münsterland-Rundfahrt.

Längst sind da die Großen der Szene hellhörig geworden. Das niederländische Rabobank-Team meldet sich. Ole winkt ab, verlängert stattdessen seinen Vertrag beim Hamburger Team “Stevens Racing“ bis 2010. “Anders hätte ich das mit der Schule nicht unter einen Hut bekommen.“

Rabobank war lange die Heimat von Michael Rasmussen. Die Querverbindungen
scheinen so nah im Radsport. Und sind doch so fern. Ole hat nichts gemein
mit den Verbrechern der Szene. Im vergangenen Jahr hat der Sohn eines
Kriminalbeamten bei der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) angerufen.
Einfach mal so. „Ich wollte wissen, warum ich eigentlich nicht im Training getestet werde“, schildert er sein Gespräch mit überfordert scheinenden Telefonpartnern. “Auch anschließend kam nichts von denen. Das kann es doch nicht sein.“

Ole kämpft für seinen Sport. In drei Jahren ist die Cross-Weltmeisterschaft in Deutschland. “Eine Medaille wäre ein Traum.“

Der Weg dorthin ist mehr als steinig. Immer mal wieder muss er Beleidigungen über sich ergehen lassen. “Gerade wenn man im Nationaltrikot unterwegs ist, rufen einem schon mal ältere Herren gerne was hinterher.“ Ole atmet tief durch. Er legt den Kugelschreiber beiseite. “Ein bisschen unfair ist das
schon.“




Quelle: Hamburger Morgenpost vom 2. März 2008



 

Text: Frederik Ahrens
13.03.2008

Sponsoren

Bergamont

Newsticker

  • Nachwuchstraining
    21.04.2022: Jetzt die aktualisierten Trainingstermine für den Nachwuchs downloaden

Facebook

Facebook Facebook Facebook

Website durchsuchen