Ampeln und Verkehr in Hamburg

Planungswerkstatt Lichtsignalanlagen

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Am 12. September veranstaltete der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer LSBG – als Dienstleister innerhalb der hamburgischen Verwaltung für Bau und Erhalt von Anlagen der technischen Infrastruktur zuständig – eine ganztägige Planungswerkstatt. Aus ca. 800 Interessenten, die sich unter Nennung einer verbesserungswürdigen Kreuzung beworben hatten, wurden rund 100 Teilnehmer ausgewählt; hinzu kamen Fachleute aus Behörden und Verbänden (meine Wenigkeit als Vertreter des RVH, aber auch als notorischer Alltagsradfahrer).

Zunächst wurden Aufgabenstellung und Arbeitsweise des LSBG bei Entwurf und Optimierung von Lichtsignalanlagen (Ampelsystemen) erläutert. Anschließend beschäftigten sich die Teilnehmer in 7 Arbeitsgruppen mit jeweils einer besonders neuralgischen Kreuzung im Stadtgebiet. Deren Ergebnisse wurden abschließend zusammenfassend dargestellt und bewertet. Die Veranstaltung war die erste ihrer Art in Deutschland.

Das hört sich zunächst recht dröge an. Tatsächlich war es aber eine hochinformative Angelegenheit, die Einblick in die mit vielen Behörden abzustimmende Optimierung von Kreuzungen, Wegführungen und Ampelanlagen für Kraftfahrzeuge, ÖPNV, Rad- und Fußgängerverkehr gab. Das vermittelt auch der Artikel von H. Sussebach im ZEITmagazin 38/2010, der die Arbeitsweise des LSBG am Beispiel der Neugestaltung des Johannes-Brahms-Platzes glossiert.

Zu den wichtigen Erfahrungen und Ergebnissen:
• Den meisten Teilnehmern – darunter viele Radfahrer- - war nicht klar, dass Radfahrer gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer auf der Straße sind, sobald kein benutzungspflichtiger Radweg ausgewiesen ist. Hier muss viel mehr Öffentlichkeitsarbeit auch vom RVH in unserem eigenen Interesse geleistet werden.
• Die sog. Bedarfs- oder Bettelampeln als begleitendes Grün für Radfahrer und Fußgänger bei Geradeausfahrt des KFZ-Verkehrs wurden heftigst kritisiert; diese Botschaft ist angekommen und wird wohl Konsequenzen haben.
• Signaltechnische Trennung von Fußgängern und Radfahrern, Radfahrstreifen, wo möglich.
• Es gibt Radwege mit Induktionsschleifen für vorauseilende Ampelschaltungen und Radwege auf Busspuren.
• Verfahren zur Verminderung von Stand- und Räumzeiten an resp. von Kreuzungen (Busbeschleunigung, verkehrsaufkommensabhängige Ampelsysteme, Beplanung ganzer Straßenzüge).
• Die Beplanung der Phasenabfolgen und –längen einer beampelten Kreuzung optimiert zunächst den Durchsatz des KFZ-Verkehrs und nutzt dann verbleibende Freiräume um eine bestmögliche Anpassung für Radfahrer und Fußgänger zu schaffen. Dabei sind bindende Richtlinien für Lichtsignalanlagen (RiLSA) einzuhalten.

Resümee: Die Lichtsignalanlagen sind komplexe, technisch sehr anspruchsvolle Einrichtungen, die einer stetigen Anpassung an sich ändernde Verkehrsflüsse unterliegen. Ampelanpassungen sind erheblich kostengünstiger als bauliche Umgestaltung und gewinnen dadurch noch an Bedeutung. Daher macht es Sinn, Verbesserungsvorschläge für Ampelschaltungen direkt an die LSBG zu schicken. Zu den 7 behandelten Kreuzungen wurden etliche Verbesserungswünsche angemeldet, die von der LSBG auf Realisierbarkeit geprüft werden. Mein persönlicher Testfall ist die Kreuzung Elbgaustraße/Farnhornweg, an der eine Radfahrerampel in Konflikt mit rechtsabbiegendem Verkehr in Richtung S-Bahnhof geschaltet ist.

Wolfgang Scobel
20.09.2011