Harburger RG kämpft ums Traditionsrennen

Weihnachtscross doch in der Haake??

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Das Hamburger Abendblatt berichtete vergangene Woche auf einer halben Seite vom Hamburger Traditionsrennen in der Harburger Haake.
Gibt es noch eine Chance auf Glühwein, Bratwurst und tollen Radcrosssport am 2. Weihnachtstag?

20.11.13

Radsport in Harburg

Weihnachtscross droht nach 25 Jahren das Aus

Das Traditions-Radrennen der Harburger RG steht nach 25 Jahren auf der Kippe. Grund ist ein Versicherungsstreit. Es geht um die Frage: Wer haftet? Und für was alles?

Von Norbert Scheid

Foto: Volker Koch
Hat es sich in der Haake bald ausgeradelt? Beim Großen Preis von Radsport von Hacht treffen sich traditionell die Querfeldein-Fans bei Wurst und Glühwein
Hat es sich in der Haake bald ausgeradelt? Beim Großen Preis von Radsport von Hacht treffen sich traditionell die Querfeldein-Fans bei Wurst und Glühwein
 

Hamburg. Seit Jahrzehnten ist es Brauch, dass sich am zweiten Weihnachtstag der Nachwuchs und die Elite des norddeutschen Querfeldein-Radsports in der Harburger Haake einfinden. Mit den rund 200 Rennfahrern kommen Verwandte, Freunde und Sportenthusiasten. Weihnachten in der Haake, das ist wohl Harburgs älteste Sporttradition. Doch damit könnte nun Schluss sein.

"Unsere Rennen am 26. Dezember wird es in diesem Jahr nicht mehr in Harburg geben", vermeldete vor wenigen Tagen Frank Plambeck. Er ist mit Ehefrau Susanne und den Vereinsfreunden von der Harburger Radsport-Gemeinschaft seit 21 Jahren für die Veranstaltung verantwortlich. Resigniert fügt er hinzu: "Das ist ein Skandal." Der Hintergrund der Probleme ist der Verkauf von 47 Hektar Wald, der zu dem Naherholungsgebiet gehört. Es war der Bund, der diesen Deal vor einem Jahr mit der Immoforst OHG aus Dinkelsbühl abschloss. Die gehört Heinrich Schabert und seiner Familie.

Ein Teil der Rundstrecke, auf der Weltmeister wie Mike Kluge und Klaus-Peter Thaler den gefürchteten Steilhang hochkeuchten, ist also in Privatbesitz. Damit wiederum wird ein Problem brandaktuell, das exemplarisch für den gesamten Hamburger Sport gelten kann. Jedenfalls für die Veranstaltungen, die noch von ehrenamtlich schuftenden Mitgliedern der Sportvereine organisiert und durchgeführt werden.

Es geht um die Frage: Wer haftet? Und für was alles? Grundsätzlich ist es so, dass der Hamburger Sport-Bund (HSB) für seine Vereine eine Haftpflichtversicherung über maximal drei Millionen Euro bei der Arag abgeschlossen hat. Die gilt automatisch. Aber wenn man Frank Plambeck fragt, was genau damit abgesichert sei, kommt die ehrliche und für diese Freizeitorganisatoren typische Antwort: "Das weiß ich nicht."

Damit aber hat sich Heinrich Schabert nicht zufriedengegeben. Nach Monaten mit Fragen und Forderungen, mit Ablehnungen und Missverständnissen, sandte der Chef von Immoforst dem Vorstand der ausrichtenden Harburger RG eine Nutzungsvereinbarung, in der festgeschrieben war: "Für den Fall, dass ein Haftungsanspruch an den Nutznehmer herangetragen wird und der Haftpflichtversicherer ausfällt oder die Haftpflichtversicherungssumme nicht ausreicht, tritt die Harburger RG und/oder Herr Dietmar Heine und/oder Frau Susanne Plambeck in eine Haftungsverpflichtung ein."

Der erste und die zweite Vorsitzende des kleinen Vereins sollen persönlich haften. Frauen und Männer, die oft genug an Heiligabend auf der Strecke in der Haake Schnee schippten oder gefährliche Eisstücke entfernten, sollen am Ende auch noch persönlich für ihren ehrenamtlichen Einsatz haften? "Fast jede Woche müssen Rennen abgesagt werden", so Frank Plambeck, "weil den Ausrichtern Helfer fehlen. In Sonntagsreden wird immer das Lob auf das Ehrenamt gesungen. Aber wenn man sich dann noch mit solch komplizierten Haftungsproblemen herumschlagen muss, verliert man endgültig die Lust. Dann muss man den Sport ganz kommerziellen Veranstaltern überlassen."

Andererseits ist es aber nicht so, dass Heinrich Schabert der Buhmann ist, als der er sich jetzt fühlt. "Wir sind doch auch für das Radrennen", betont der Waldbesitzer. "Aber wir müssen als Grundeigentümer einen allumfassenden Haftungsausschluss schriftlich haben. Denn wir sind eine Offene Handelsgesellschaft, würden also sonst bei einem Haftschaden persönlich bis zum letzten Hemd geradestehen müssen. Die Versicherung des Hamburger Sport-Bundes greift nach unserer Meinung für Privateigentümer überhaupt nicht." Bernard Kössler vom HSB bestätigt denn auch inzwischen: "Das scheint in der Tat ein Problem zu sein, das wir jetzt mit der Arag prüfen müssen."

Vielleicht wird aber schon an diesem Mittwoch im Harburger Rathaus eine Lösung für dieses Problem gefunden. Denn als die Harburger Radsportler schon resigniert hatten, schaltete sich vor wenigen Tagen Thomas Völsch, der Bezirksamtsleiter, sozusagen als Friedensstifter ein. In dessen Büro treffen sich am Mittwochmittag Susanne Plambeck, HSB-Mann Kössler und Heinrich Schabert junior als Miteigentümer der Immoforst, um über mögliche Lösungsansätze zu beraten.

Bleibt zu hoffen, dass sich am Ende alle auf ein Wiedersehen am 26. Dezember beim Crossrennen in der Haake freuen können.

Volker Quast
24.11.2013

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